Abgründe und noch mehr Abgründe

Veröffentlicht: Oktober 15, 2013 in Veganes Leben

Einige Tage nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, vegan zu leben schrieb ich in meinem Forum:

„Umso mehr man sich mit diversen Themen auseinandersetzt, desto mehr Abgründe tun sich auf. Ich hab ehrlich nie drüber nachgedacht, was z. B. mit den ganzen männlichen Küken passiert… Manchmal ist „Nicht-Wissen“ eine Wohltat, man lebt auf jeden Fall „leichter“. Trotzdem will ich nicht wegschauen, lieber will ich sehen und wissen was los ist. Lieber weiß ich etwas und bin damit unglücklich und habe die Möglichkeit, mich dagegen zu entscheiden, als dass ich etwas nicht weiß und eigentlich permanent gegen meine eigenen Werte handel.“

Ja, und in den darauffolgenden Wochen taten sich wirklich so einige Abgründe auf. Ich bekam immer mehr ein Gespür dafür, was für eine krasse, zum Teil undurchschaubare Industrie hinter den ganzen Produkten steckt, die mir tagtäglich im Supermarkt  begegnen und davor selbstverständlich in meinem Einkaufswagen landeten. Und um einige Produkte tat es mir sehr sehr leid… Mal abgesehen von den ganzen tierischen Produkten, waren auf einmal auch mein Kaffee, meine Kleidung, mein Weichspüler, meine Kosmetik und sogar meine Zigaretten alles andere als okay. Viele Firmen führen Tierversuche durch, Kosmetik und Reinigungsmittel ohne tierische Bestandteile zu finden war eine tagesfüllende Aufgabe.

Das klingt jetzt erstmal furchtbar deprimierend, man kann sich im Supermarkt nicht einfach ein Produkt kaufen, mit der Gewissheit, nicht indirekt irgendwelche hässlichen Machenschaften der Industrie zu fördern, das ist leider so…

Aber es ist auch spannend zu erfahren, was wirklich hinter den ganzen Markennamen versteckt.

Es ist spannend, neue, vegane Produkte auszuprobieren.

Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich mich diesem „System“ nicht wirklich entziehen kann. Aber nach und nach wich diese anfängliche Verzweiflung einem guten Gefühl der Selbstbestimmung. Es fühlt sich gut an, selbst zu entscheiden, genau hinzuschauen, zu hinterfragen und nicht einfach das zu schlucken, was die Industrie einem vorsetzt. Es fühlt sich gut an, sich gegen „das System“ zu entscheiden und in manchen Bereichen einfach nicht mehr mitzuspielen. Sich komplett zu entziehen ist fast unmöglich, aber in vielen Punkten hat man wirklich die Wahl. Auch wenn es definitiv unbequemer ist, nicht den Weg zu laufen, den ein Großteil der Menschen geht und der einem vorgegeben wird.  Es fühlt sich gut an, die eigenen Werte über die Bequemlichkeit zu stellen. Meine eigenen Werte sind mir dadurch so bewusst geworden, ich lebe sie aktiv und vertrete sie, statt sie nur im Kopf zu haben. Jeden Tag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s